Bei der einzigen weiblichen Jugendmannschaft des TSV Vellmar stehen zwei engagierte Personen an der Seitenlinie: Alex, der als Trainer das sportliche Ruder in der Hand hält, und Jule, die als Co-Trainerin und gute Seele des Teams überall dort einspringt, wo Unterstützung gebraucht wird. Beide sind nicht nur mit Herzblut dabei, sondern auch Eltern von Spielerinnen im Team.
Wir haben mit den beiden über ihre Arbeit, die Mädels und ihre ganz eigene Motivation gesprochen.
Vom Elternsein zum Trainerteam
Wie erlebt ihr eure Rollenverteilung – Alex als Trainer an der Linie, Jule als flexible Allrounderin im Hintergrund?
Alex:
Ich gehe nun in das dritte Trainerjahr mit dem Großteil dieser Mannschaft und habe in der Zeit sehr viel gelernt und auch lernen müssen; auf, wie abseits vom Platz, also zu Hause. Als Trainer und Papa von einer Spielerin hören die (sportlichen) Diskussionen beim Verlassen der Halle natürlich nicht auf, sondern ziehen sich dann auch bis in das Privatleben mit hinein.
Die Zusammenarbeit mit Jule ist auf Augenhöhe. Ich schätze sehr ihre pädagogische Ader, die sie als Grundschullehrerin mitbringt. Mit ihr versuche ich unserer Mannschaft mein/unser Verständnis von Handball nahezubringen: mannschaftsdienlicher, spielerisch hochwertiger und schön anzuschauender Handball, bei dem alle Beteiligten nicht nur bereit sind das Maximale zu geben, sondern dies auch umsetzen.
Jule:
Co-Trainerin einer Mannschaft zu sein, in der das eigene Kind mitspielt, ist eine besondere Herausforderung. Ich freue mich, dass ich viel gemeinsame Zeit mit deiner Tochter verbringen kann. Wir teilen ein gemeinsames Interesse. Ich war als Kind auch immer sportlich aktiv, habe viel Vereins- bzw. Mannschaftssport betrieben. Diese Erfahrung haben mich geprägt und will ich an die Mädels weitergeben.
Ich schätze Alex sehr als Trainer. Seine Art den Mädels das Handballspielen beizubringen. Mit seinen klaren Ansagen und strukturierter Art das Training zu planen, schafft er es, sowohl individuelle Spielerfähigkeiten als auch das mannschaftliche Zusammenspiel der Mädels kontinuierlich zu verbessern.
Wir legen beide großen Wert auf Teamgeist und achten auf ein positives und motivierendes Klima innerhalb der Mannschaft.
Ein Team, viele Stärken
In eurer Mannschaft treffen Anfängerinnen auf Spielerinnen, die schon lange dabei sind. Wie gelingt es euch, alle mitzunehmen und individuell zu fördern?
Jule:
Die Zusammensetzung der Mädels ist sehr heterogen, das ist richtig. Die geplanten Trainingseinheiten müssen immer gut durchdacht sein. Dabei teilen wir uns oft auf. Wir wollen gezielt die Stärken der Mädels fördern und die Schwächen einzelner verbessern. Das gelingt nur mit entsprechenden Übungen.
Alex:
Dies ist neben dem neuen Spielsystem in der D-Jugend unsere größte Baustelle. Die Heterogenität innerhalb der Mannschaft ist groß. Wir bemühen uns aber in den wenigen Minuten, die wir in der Woche zum Training haben (2x 90 Minuten), mit unseren Übungen alle Kinder zu verbessern – mal klappt das besser, mal schlechter. Wichtig ist aber immer jedes einzelne Mädchen zu fordern und zu fördern. So kommt es neben den vielen lustigen Begebenheiten im Training, auch immer wieder zu ernsten und schweißtreibenden, teils auch frustrierenden Momenten (bei Kindern wie bei Trainern).
Gibt es einen Moment, auf den ihr besonders stolz seid – sportlich oder menschlich?
Alex:
Besonders schön war natürlich die letzte Saison, in der die Mädels alle Spiele (in der zugegebenermaßen leichteren Gruppe) für sich entscheiden konnten. Stolz waren wir/war ich auch auf das letzte Spiel, wo sich wirklich die gesamte Mannschaft dafür eingesetzt hat, dass alle Mädels im Team zumindest ein Tor geworfen haben und dabei eigene Interessen zurückgestellt wurden. Das zeichnet eine Mannschaft aus.
Jule:
Da bin ich ganz bei Alex, das waren in der letzten Saison viele schöne Momente.
Mädchenpower im Handball
Was macht die Arbeit mit einem reinen Mädchenteam für euch besonders?
Was möchtet ihr euren Spielerinnen über den Sport hinaus mit auf den Weg geben?
Alex:
Die Trennung von der gemischten E-Jugend in die reine Mädchenmannschaft war ein wichtiger und richtiger Schritt – auch wenn dadurch das Trainer Team Pascal/Alex auseinandergerissen wurde 😉. Die Mädchen wurden von Beginn an selbstbewusster, da sie nun selbst die Verantwortung übernehmen mussten. Bei einigen vollzog sich dieser Schritt schneller, bei anderen sind wir immer noch dran. Bei vielen ist der Gedanke nun in der D-Jugend auch körperlicher agieren zu müssen noch zuwider oder wenig ausgeprägt. Aber genau hier lernen die Mädchen auch etwas für ihr weiteres Leben: für das Team und den Sport gehe ich mit fairen Mitteln gemeinsam durch dick und dünn - das ist für die Entwicklung von Kindern zu Jugendlichen/Erwachsenen eine Erfahrung, die sie im Leben immer weiter bringen wird.
Jule:
Bei Mädchen (in diesem Alter) braucht man ein gutes pädagogisches Feingefühl. Wir versuchen Verbesserungstipps konstruktiv und respektvoll zu formulieren. Durch viel Lob steigt die Motivation besser zu werden. Alex und ich fordern die Mädels, aber achten auch keine zu überfordernd. Wir hören ihnen zu und versuchen ihre Vorschläge zum Training mit einzubauen.
Beim Sport gibt es immer einen Gewinner und einen Verlierer. Spiele zu gewinnen ist toll. Aber aus Fehlern lernt man viel. Aus jeder Niederlage ergeben sich neue Trainingsziele. Somit müssen wir als Team hart daran arbeiten gemeinsam Handball zu spielen.
Blick nach vorn
Wo wünscht ihr euch, dass das Team in einem Jahr steht – sportlich und als Gemeinschaft?
Jule:
Ich hoffe, dass wir es schaffen als Team weiterhin so verbunden zu bleiben. Die nächste Saison wird erstmal nicht einfach. Die Mädels müssen sich in der D-Jugend behaupten. Nach einer so erfolgreichen letzten Spielsaison, werden sicherlich einige Niederlagen folgen. Aber Kopf hoch Mädels, das schaffen wir!
Alex:
Da der Übergang von der E- in die D-Jugend für die Mädels aufgrund unserer Altersstruktur nicht nur körperlich, sondern auch spielerisch große Herausforderungen mit sich bringt, hoffe ich, dass wir ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Siegen und Niederlagen haben werden. Dies zum sportlichen. Für die Gemeinschaft gilt das, was ich vorher schon erwähnt habe – der “Haufen” muss weiter zu einer Gemeinschaft ohne Grüppchen zusammenwachsen. Gelingt uns das weiterhin, wären wir/wäre ich sehr glücklich!

Jule & Alex - ein starkes Team für die Mädels. (Foto: Jugendfotograf Gerald Vahle)
Wir sagen, ein herzliches Dankeschön an Jule und Alex, dass ihr Euch die Zeit genommen für diese Fragen. Ebenso vielen Dank für Euer Engagement in unserer Jugend!
